Sonntag, 22. April 2012

Robert Louis Stevenson: Der Master von Ballantrae (dtv)

Zwei Brüder aus schottischem Adel kämpfen beim Aufstand der Jakobiten im Jahre 1745 auf unterschiedlichen Seiten. Während James Durie, der ältere Bruder und Erbe, der Master von Ballantrae genannt, sich den Rebellen anschließt, ficht Henry Durie, der jüngere Bruder, auf Seiten der Regierung. Als James für tot erklärt wird, übernimmt Henry die Leitung des Gutes, und heiratet die Verlobte seines Bruders, die das Vermögen mitbringt, mit dem sich der Familienbesitz erhalten lässt. 
Doch der Jüngere erhält für Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit wenig Anerkennung, wie uns sein Verwalter berichtet, den Robert Louis Stevenson zum Erzähler gewählt hat. James hingegen, offenbar ohne jeden Skrupel, bekommt, was er begehrt, als er sich lebendig zurückmeldet: Geld, Obdach, und die Liebe der Frau seines Bruders - was ihm dann sogar zu einem Erben verhilft, auch wenn der Autor das natürlich sehr dezent andeutet. Aber dieses Buch lebt davon, das wichtiges gerade nicht ausgesprochen wird. 
Bei einem Duell der beiden ungleichen Brüder wird James nieder- gestochen, doch als die Familie herbeieilt, um die Leiche zu bergen, ist sie verschwunden. Wie ein böser Geist verschwindet der Master und taucht wieder auf, um Unruhe und Zwietracht zu bringen - und Geld zu erpressen. Schließlich flieht Familie Durie nach Amerika. Doch der Master reist hinterher. Und es gelingt ihm, dafür zu sorgen, dass Henry letztendlich den Verstand verliert: Sein ganzes Denken und Trachten kreist ausschließlich um den verhassten Bruder. 
Stevenson nennt sein Buch "Eine Wintergeschichte", sehr zutreffend - denn es ist ein Bericht in Schwarz-weiß, erstarrt in Kälte; brillant erzählt. Der Deutsche Taschenbuch Verlag legt diesen erstklassigen Schauerroman in einer Neuübersetzung von Melanie Walz vor, sorgsam ediert und kommentiert. Unbedingt lesen! 


Prädikat: *****


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