Dienstag, 24. April 2012

Aylin Korkmaz: Ich schrie um mein Leben (Knaur)

"An einer Wassermelone kannst du riechen, du kannst gegen ihre Schale klopfen, um etwas über ihren Reifegrad zu erfahren. Bei einem zukünftigen Ehemann geht das nicht", zitiert Aylin Korkmaz ein türkisches Sprichwort. Wie recht es hat, zeigt ihr Bericht vom Leben mit ihrem kurdischen Ehemann, der sie mit nach Deutschland nimmt. Dort erlebt sie gleich mehrfach den Schock ihres Lebens - und das liegt in erster Linie an ihrem Ehemann, der in der Türkei den dicken Max markiert hat, aber in Wahrheit verschuldet war bis unter die Halskrause, so dass er für seine junge Frau nicht einmal eine Wohnung hat. Und einen  Job hat er auch nicht - was immer mal wieder vorkommt. 
Seine Frau integriert sich zunehmend in der neuen Heimat. Die Ehe scheitert; eigentlich ist es ein Wunder, dass diese Familie drei Kinder hat. Aylin aber ist als Türkin erzogen. Immer wieder gibt sie nach. Doch mit jeder neuen Chance, die sie ihrem Mann einräumt, wird ihr Leben nur schlimmer. Die Geschichte dieser "Beziehung" ist ein Trauerspiel, sie eskaliert in einem Mordversuch, den Aylin Korkmaz nur durch ein Wunder überlebt: Ihr Exmann überfällt sie, schneidet ihr die Kehle durch, und sticht dann noch 25 Mal mit zwei Messern auf sie ein. Es ist erstaunlich, dass es Menschen gibt, die auf die Idee kommen, so etwas einen "Ehrenmord" zu nennen. Ein wichtiges Buch, ganz ohne Frage. 


Prädikat: ***

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