Sonntag, 22. April 2012

Reinhardt Piechocki, Melissa Müller: Alice Herz-Sommer - "Ein Garten Eden inmitten der Hölle" (Knaur)

Als Tochter eines Fabrikanten wuchs sie in Prag auf, behütet und umsorgt. Schon als Kind übt Alice Herz stundenlang Klavier. Und so war es keine Überraschung, dass sie den Beruf der Pianistin und Musikpädago- gin wählt - was für eine Tochter aus "besserem" Hause zu Beginn des 20. Jahr- hunderts keinesfalls selbstverständlich war. Doch in das Idyll mischen sich schon bald Misstöne. In den 30er Jahren wandern zahlreiche Freunde und Verwandte aus. Und sie haben gut daran getan, wie die Pianistin nach dem Einmarsch der Deutschen feststellen muss. Denn nun beginnen die Deportationen. Und Alice Herz, mittlerweile verheiratet mit Leopold Sommer und Mutter eines kleinen Söhnchens, ist Jüdin. Als ihre Mutter ins Lager verschleppt wird, beginnt sie, die Chopin-Etüden zu üben. Ein Jahr später muss auch die gefeierte Pianistin mit Mann und Kind den Zug besteigen, der sie zunächst nach Theresienstadt bringt. 
Dieses Buch berichtet davon, wie es Alice Herz-Sommer mit Hilfe der Musik gelungen ist, das Ghetto zu überleben, und auch ihr Kind abzuschirmen. Der kleine Stephan erlebt seine Kindheit als eine glückliche Zeit - in Theresienstadt, wo der Tod ein beständiger Gast ist. Nach der Befreiung aber wird das Leben nicht einfacher. Die Musikerin muss erleben, dass sie als Überlebende in ihrer Heimat- stadt nicht willkommen ist. Sie wird beschimpft und schikaniert - und wandert schließlich nach Israel aus. 
Eine beeindruckende Lebensgeschichte. Seit 1986 lebt Alice Herz-Sommer in London, weil sie ihrem Sohn, der in Israel den Namen Raphael angenommen hatte und ein erfolgreicher Cellist war, nahe sein wollte. Er starb  2001. Seine Mutter, Jahrgang 1903, spielt noch heute Klavier. Musik war und ist ihr Leben. 


Prädikat: ****

Keine Kommentare: