Es war Zufall, dass Teoh Yun Ling einst aus dem japanischen Internierungslager ent- kommen konnte. Ihre Schwester hingegen starb, so wie alle anderen Gefangenen. Teoh fühlt sich schuldig – und studiert Jura. Zunächst arbeitet sie als Anwältin für ein Tribunal, das japanische Kriegsverbrecher verurteilt. Dann wird sie Richterin, und die erste Frau, die an den Obersten Gerichtshof von Malaysia berufen wird. Als sie feststellt, dass ihre Erinnerung schwindet, kehrt sie zurück an jenen Ort, der ihr von jeher besonders wichtig war: Yugiri, ein japanischer Garten hoch in den Bergen.
Denn ihre Schwester liebte die japanische Gartenkunst. Und so bat Teoh vor vielen Jahren Aritomo, der wie ein Einsiedler in Yugiri lebte, einen Garten für die Tote anzulegen. Der Künstler, einstmals Hofgärtner des Kaisers, lehnte aber ab – und bot ihr an, sie als Lehrling zu unterzuweisen, so dass sie selbst den Garten anlegen könnte. Autor Tan Twan Eng führt uns Leser in eine fremde Welt, in der sich sehr unterschiedliche Kulturen begegnen, überschneiden, und miteinander auskommen müssen. Und im Werden und Vergehen des Gartens spiegeln sich die Zeit, das Leben – und die Träume. Ein großartiges Buch.
Prädikat: *****
Mittwoch, 6. Januar 2016
Dienstag, 5. Januar 2016
Slimane Kader: Ocean King (Droemer)
Ein junger Mann, halb Franzose, halb Algerier, will der Pariser Vorstadt entkommen. Also heuert er auf einem Kreuzfahrtschiff an – als Hilfskellner, wie er meint. Dieser Irrtum korrigiert sich bald, denn statt einer schmucken Uniform gibt’s Drillich, und an Arbeit alles, was gerade so anfällt – vom simplen Aufwischen bis zum Reinigen von Schwimmbad-Reinigungsrobotern, und vom Vergiften von Schaben bis zum Anfertigen leckerer Grillspieße in der Küche. 14 Stunden am Tage, sieben Tage in der Woche. Der Job verändert den Mann: „Joker sein ist eine Art Militärdienst“, schreibt Slimane. „Nach ein paar Wochen erfasst dich dieses ganz bestimmte Gefühl. Du begreifst es nicht gleich … (..) Und dann … beginnt die Sache dir zu gefallen! All die beschissenen Arbeiten fühlen sich plötzlich an wie das Fastenbrechen. Du willst mehr davon! Und weißt du, warum? Weil du beim Arbeiten jeden Tag weißt, was du zu tun hast. Du weißt, warum du es tust und wie du es tust. Das Leben wird sichtbar. Es gibt keine Überraschungen. Keinen Stress. Du bewegst dich innerhalb einer Ordnung, und das ist das pure Glück.“
Der Joker steigt auf, aus dem Bauch des Schiffes geht es allmählich an Deck. Doch das ist nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass der Autor dieses Buches grandios erzählt. Selbst wenn er oftmals so naiv herumtapst, dass es fast peinlich ist – wie er das schildert, das ist hohe Kunst, und man drückt ihm unwillkürlich beide Daumen, für seine Zukunft in der Literatur. Denn die braucht solche Stimmen.
Prädikat: *****
Der Joker steigt auf, aus dem Bauch des Schiffes geht es allmählich an Deck. Doch das ist nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass der Autor dieses Buches grandios erzählt. Selbst wenn er oftmals so naiv herumtapst, dass es fast peinlich ist – wie er das schildert, das ist hohe Kunst, und man drückt ihm unwillkürlich beide Daumen, für seine Zukunft in der Literatur. Denn die braucht solche Stimmen.
Prädikat: *****
Martin Walker: Schatten an der Wand (Diogenes)
Ein seltsames Fundstück soll eine Kunsthistorikerin in einem Londoner Auktionshaus untersuchen. Es ist ein Stein mit einer Höhlenzeichnung, und er stammt nicht, wie die junge Frau zuerst denkt, aus den Höhlen von Lascaux. Die Spuren führen ins Périgord, und wer ihnen folgt, der kommt Leuten aus den höchsten Kreisen in die Quere. Martin Walker berichtet in seinem frühen Roman von der Entstehung eines prähistorischen Kunstwerkes, und von einem Verbrechen zur Zeit der Résistance, das nachwirkt bis in die Gegenwart. Gekonnt erzählt, und auch inhaltlich überzeugend.
Prädikat: ****
Prädikat: ****
Lea Singer: Der Opernheld (dtv)
Der Jurist Moritz Redder führt ein geordnetes Leben – effizient in der Kanzlei, neurotisch nach Feierabend. Eines Tages aber erfährt er, wer wirklich sein Vater war und warum seine Mutter wurde, wie sie war. Der Schock ist so groß, dass Redder die Schallplatten, die er bei den Briefen findet, anhört, anstatt sie zu entsorgen. Und die Stimme von Maria Callas fasziniert ihn derart, dass Redder seine Existenz aufgibt. Er reist nach Italien, nennt sich Maurizio Salvatore und stellt fortan jungen Opernsängerinnen nach – was zwar diverse Probleme mit sich bringt, aber noch keine ausreichende Basis für ein Buch diesen Umfanges. Albern!
Prädikat: -
Prädikat: -
Montag, 4. Januar 2016
Jean-Luc Bannalec: Bretonischer Stolz (Kiepenheuer & Witsch)
Austern, Wind, Sand und bretonische Traditionen – das ist der Stoff, aus dem Jean-Luc Bannalec einen exquisiten Krimi geschaffen hat: Beim Spaziergang entdeckt eine eigensinnige alte Filmdiva die Leiche eines Mannes. Doch als die Polizei eintrifft, ist dort nichts. Dafür wurde in den sagenumwobenen Hügeln der Monts d’Arrée ein Toter gefunden – den aber niemand kennt. Die Spuren führen nach Schottland, zu den Druiden und zur Sandraub-Mafia, was Kommissar Dupin durchweg wenig überzeugend findet. Und so befragt er weiter die Austernzüchter. Die Lösung des Rätsels aber liegt so nahe, das man sie beinahe hätte übersehen können. Superspannend!
Prädikat: ***
Prädikat: ***
Krischan Koch: Rollmopskommando (dtv)
„Rollmops to go“ bietet der Stehimbiss an der Fredenbüller Dorfstraße. Sonst ist nicht viel los in Nordfriesland auf dem Lande – doch bevor Polizeiobermeister Thies Detlefsen beginnt, sich zu langweilen, kommt unerwartet das Verbrechen ins Idyll: Im Nachbarort Schlütthorn wird die Raiffeisenbank überfallen. Dabei wird Oma Ahlbeck als Geisel genommen, und es verschwindet ein ordentlicher Batzen Geld. Außerdem finden sich zwei Leichen – eine Zahnärztin, und die Geliebte eines Professors, der im Ort ein hübsch gestyltes Landhaus besitzt. Beide hatten ein Konto bei der Raiffeisenbank, und beide hatten mit dem Filialleiter ein Hühnchen zu rupfen. Was aber hat das mit den Bankräubern zu tun? Krischan Koch hat einen kapriziösen Küsten-Krimi geschrieben, köstlich komisch – so macht Landleben Laune! Passt als Urlaubslektüre genial.
Prädikat: **
Prädikat: **
Iny Lorentz: Die steinerne Schlange (Knaur)
Als Schauplatz hat Iny Lorentz diesmal Germanien ausgewählt. Das Münchner Autorenpaar begleitet die Römer zur Zeit Caracallas bei ihrem Versuch, ihre Herrschaft – die bisher am Limes endet – weit ins Land der germanischen Stämmme hinein auszuweiten. Der römische Statt- halter fordert aber von den germanischen Nachbarn nicht nur Hilfstruppen, sondern auch die junge Gerhild, Tochter eines Stammesfürsten, zur Geliebten.
Diese verlangt, dass der Römer um sie kämpfen soll – und tritt gleich selbst im Speerwurf gegen ihn an. Dummerweise gewinnt sie. Damit blamiert sie den Heerführer ebenso wie ihre Brüder. Insgesamt erweist sich Gerhild oftmals als weit vorausschauender als die Männer. Das macht sie zu einer gefragten Anführerin im Abwehrkampf der Germanen. Mit einer kleinen Schar zieht sie sich ins Sumpfland zurück. Doch wie sind die gut ausge- bildeten römischen Truppen zu besiegen? Ein spannender Roman, überzeugend erzählt vor historischer Kulisse.
Prädikat: ***
Diese verlangt, dass der Römer um sie kämpfen soll – und tritt gleich selbst im Speerwurf gegen ihn an. Dummerweise gewinnt sie. Damit blamiert sie den Heerführer ebenso wie ihre Brüder. Insgesamt erweist sich Gerhild oftmals als weit vorausschauender als die Männer. Das macht sie zu einer gefragten Anführerin im Abwehrkampf der Germanen. Mit einer kleinen Schar zieht sie sich ins Sumpfland zurück. Doch wie sind die gut ausge- bildeten römischen Truppen zu besiegen? Ein spannender Roman, überzeugend erzählt vor historischer Kulisse.
Prädikat: ***
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