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Mittwoch, 6. Januar 2016

Tan Twang Eng: Der Garten der Abendnebel (Droemer)

Es war Zufall, dass Teoh Yun Ling einst aus dem japanischen Internierungslager ent- kommen konnte. Ihre Schwester hingegen starb, so wie alle anderen Gefangenen. Teoh fühlt sich schuldig – und studiert Jura. Zunächst arbeitet sie als Anwältin für ein Tribunal, das japanische Kriegsverbrecher verurteilt. Dann wird sie Richterin, und die erste Frau, die an den Obersten Gerichtshof von Malaysia berufen wird. Als sie feststellt, dass ihre Erinnerung schwindet, kehrt sie zurück an jenen Ort, der ihr von jeher besonders wichtig war: Yugiri, ein japanischer Garten hoch in den Bergen. 
Denn ihre Schwester liebte die japanische Gartenkunst. Und so bat Teoh vor vielen Jahren Aritomo, der wie ein Einsiedler in Yugiri lebte, einen Garten für die Tote anzulegen. Der Künstler, einstmals Hofgärtner des Kaisers, lehnte aber ab – und bot ihr an, sie als Lehrling zu unterzuweisen, so dass sie selbst den Garten anlegen könnte. Autor Tan Twan Eng führt uns Leser in eine fremde Welt, in der sich sehr unterschiedliche Kulturen begegnen, überschneiden, und miteinander auskommen müssen. Und im Werden und Vergehen des Gartens spiegeln sich die Zeit, das Leben – und die Träume. Ein großartiges Buch. 

Prädikat: *****

Montag, 26. Januar 2015

Christoph Peters: Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln (Luchterhand)

Lange hat Ernst Liesgang nach dem passenden Ort gesucht – und sich schließlich für Rensen, ein verschlafenes Dorf an der Ostsee, entschieden. Der Keramikkünstler, nach etlichen Lehrjahren in Fernost wieder zurück in der Heimat, will im Hof des alten Pfarrhauses nach alter Tradition einen Anagama-Brennofen errichten lassen. Und einmal mehr hat Liesgang Glück, denn es gelingt ihm, Tatsuo Yamashiro, einen der erfahrensten und angesehensten Ofensetzer Japans, für diese Aufgabe zu gewinnen. 
Und so reist der Handwerker aus dem Land der aufgehenden Sonne im Frühjahr 1989 in die deutsche Provinz, umsorgt von einem ganzen Tross japanischer Helfer. Auf dem platten Lande begegnen sich zwei grundverschiedene Kulturen – was nicht frei von Komik ist. So entdeckt Herr Yamashiro, sehr zum Entsetzen seiner Köchin, dass ihm Mettbrötchen, Rotkohl, Schnitzel und Kartoffeln ganz hervorragend schmecken. Selbst für den Schnaps, den Wirtin Herta Mölders im Gasthaus „Pit's Schollenkutter“ ausschenkt, kann sich der Ofen-Spezialist begeistern. 
Die Eingeborenen hingegen beobachten fasziniert die japanischen Zeremonien. Denn die Gäste unterscheiden sich sowohl in ihrem Verständnis von Kunst und als auch ihrer Lebensauffassung erheblich von dem, was den Deutschen vertraut ist. Das zeigt sich in einer urkomischen Szene beim Zoll, wenn der Beamte die kostbaren Teeschalen des japanischen Meisters für Hobbytöpfereien hält. Das wird besonders sichtbar, wenn Liesgang örtliche Handwerker in das Projekt mit einbindet. Selbstverständlich setzen sie ihren ganzen Ehrgeiz daran – und sind den Japanern darin näher, als sie ahnen. Christoph Peters gelingt mit diesem Roman erneut eine federleichte Komödie über das Zusammentreffen zweier Kulturen. Es ist zugleich ein wundervolles Buch darüber, was möglich wird, wenn sich Menschen für ein gemeinsames Ziel engagieren. Die Geschichte erweist sich darüber hinaus als eine Parabel über den Wert des Handwerks. Unbedingt lesen!  

Prädikat: ****

Montag, 16. November 2009

Susanne Wahl: Kirschblüten im Wind (Heyne)


Katharina ist entsetzt. Ihr Vater will sie mit einem zwar reichen, aber bereits betagten Kaufmann verheiraten. Und ihr Jugendfreund Severin soll einen Arzt nach Japan begleiten, hat aber wenig Lust zu dieser beschwerlichen Reise. Kurz entschlossen verkleidet sich Katharina als Mann, und flüchtet auf dem Ostindiensegler - als Arztgehilfe.
Pflichtlektüre für alle Freunde "historischer" Romane im Stile von Iny Lorentz oder Ursula Niehaus. Dieses Buch ist sehr gut lesbar, und spannend erzählt.

Prädikat: ***