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Donnerstag, 30. August 2012

Katrin Behr / Peter Hartl: Entrissen (Droemer)

Wer in der DDR nicht funktionierte - und dazu reichte es mitunter aus, mehrfach zu spät zur Arbeit zu erscheinen - dem drohte die Höchststrafe: Jederzeit konnte der Staat Familien die Kinder wegnehmen, um sie an linientreue Ehepaare weiterzureichen. Damit verfolgten die Behörden gleich zwei Ziele: Aufsässige Bürger zu disziplinieren und, falls dies im Einzelfall doch nicht gelang, zu- mindest ihre Kinder im Geiste des Arbeiter- und Bauernstaates zu erziehen. 
Wie brutal dies im Einzelfall verfolgt wurde, und welche Folgen das für die Betroffenen hatte, berichtet Katrin Behr in ihrer Autobiographie. Es ist ungemein wichtig, dass es dieses Buch gibt. Denn auch dies ist DDR-Geschichte. Und wer dieses Buch gelesen hat, der wird es garantiert nicht mehr bedauern, dass dieser Staat untergegangen ist: "Alles für das Wohl des Volkes"? Alles Märchen! Der konkrete Bürger war damit jedenfalls nicht gemeint. 

Prädikat: ****

Mittwoch, 6. Januar 2010

Mark Twain: Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Diogenes)


Diese Geschichten gehören mit zum Besten, was je für Kinder geschrieben worden ist. Sie berichten von einer Kindheit auf dem amerikanischen Lande, lange bevor es Radio und Fernseher gab - und wer "Wagen" sagte, meinte damals eine Kutsche. Sehr fremd, sehr weit weg und sehr geheimnisvoll. Auch die herrlichen Zeichnungen von Tatjana Hauptmann wecken Sehnsucht nach der Ferne, und die Phantasie geht auf die Reise, hin zum großen Fluss, und jener lang vergangenen Zeit. Das gilt nicht nur für Leser im Kindesalter: "Obwohl mein Buch vor allem für die Unterhaltung von Jungen und Mädchen bestimmt ist, hoffe ich doch, dass Männer und Frauen es deshalb nicht meiden werden", schrieb einst Mark Twain; "denn meine Absicht war zum Teil, Erwachsene auf angenehme Weise daran zu erinnern, wie sie einst selbst waren, wie sie empfanden, dachten und redeten und in was für seltsame Unternehmungen sie sich zuweilen einließen."

Prädikat: *****