Die junge Schweizerin Teresa Fortis freut sich, als sie bei Saudi Arabian Airlines eine Stelle als Stewardess bekommt. Voll Neugier und Abenteuerlust zieht sie ins Stewardessen-Camp Jeddah. Doch bevor sie die Welt kennenlernen kann, gilt es das Traineeprogramm der Airline zu absolvie- ren.
Der Leser nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass Stewardessen offenbar doch nicht nur lernen, wie man Passagiere begrüßt, lächelt und die kleinen Wägelchen mit den Getränken den Gang entlang schiebt. Das ist auch die Stärke des Buches - Fortis vermittelt ein ziemlich umfassendes Berufsbild, und wer von einer Karriere in der Uniform einer großen internationalen Fluggesellschaft träumt, der sollte ihren Bericht aufmerksam lesen.
Zu zwei Dritteln besteht ihr Buch aber auch aus Geplauder. Man er- fährt etwas über Erlebnisse mit den Saudis, für die die Mädels offenbar die etwas luxuriösere Version der Hure sind, nette und weniger nette Begebenheiten, die Fortis auf ihren Flügen und mit den Kollegen erlebt hat, Ärger und Freude, ja, und auch ab und an Liebes- kummer.
Prädikat: **
Freitag, 6. April 2012
Dienstag, 3. April 2012
Kate Atkinson: Das vergessene Kind (Droemer)
Tracy Waterhouse, ehemalige Polizistin, erschrickt vor sich selbst: Soeben hat sie ein Kind gekauft, ein kleines Mädchen, das ganz offenbar nicht in den richtigen Händen war. Wie ein Schneeflocken wirbeln die Fragmente dieser Geschichte herum - doch es ist schwarzer Schnee, und immer mehr Leichen erscheinen.
Zerstörte Leben, verstörte Seelen. Am Ende, wenn der Leser endlich die ganze Wahrheit weiß, erscheint alles nur noch viel grusliger. Autorin Kate Atkinson erhielt für dieses Buch den Deutschen Krimipreis 2012 - international.
Prädikat: **
Zerstörte Leben, verstörte Seelen. Am Ende, wenn der Leser endlich die ganze Wahrheit weiß, erscheint alles nur noch viel grusliger. Autorin Kate Atkinson erhielt für dieses Buch den Deutschen Krimipreis 2012 - international.
Prädikat: **
Georges Simenon: Der fremde Vetter (Diogenes)
Frankreich, unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg. Eine deutsche Auswanderer- familie, die einen kleinen Ausschank für Kanalschiffer führt, gerät in große Verlegenheit, als jener junge Vetter auftaucht. Einerseits - man ist verwandt, und Hans ist auf der Flucht vor den Nazis. Andererseits - das Städtchen ist klein, die Krulls sind ohnehin dort nicht sehr beliebt und die Tatsache, dass der Vetter die dortigen Mädels behelligt, macht ihr Leben nicht leichter.
Eines Tages wird die Leiche eines jungen Mädchens aus dem Kanal gefischt. Und schon bald ist sich die ganze Stadt einig, wo der Mörder zu suchen ist. Auch dieser Non-Maigret gehört trotz seines geringen Umfanges zu den großen Romanen Simenons. Wie er mit wenigen Andeutungen eine Szene entwirft, Charaktere entstehen und Situationen eskalieren lässt, das ist faszinierend. Unbedingt lesen!
Prädikat: *****
Eines Tages wird die Leiche eines jungen Mädchens aus dem Kanal gefischt. Und schon bald ist sich die ganze Stadt einig, wo der Mörder zu suchen ist. Auch dieser Non-Maigret gehört trotz seines geringen Umfanges zu den großen Romanen Simenons. Wie er mit wenigen Andeutungen eine Szene entwirft, Charaktere entstehen und Situationen eskalieren lässt, das ist faszinierend. Unbedingt lesen!
Prädikat: *****
Judith Merchant: Nibelungenmord (Knaur)
In jener sagenumwobenen Höhle des Riesengebirges, wo Siegfried angeblich einst den Drachen tötete, wird eine Frauenleiche gefunden. Und in Königswinter wird die Ehefrau eines Notars vermisst. Dieser wiederum hatte eine Affäre mit einer Malerin - sollte sie die Konkurrentin aus dem Wege geräumt haben? Doch die Tote ist nicht die Notarsgattin, sondern Studienrätin Valerie Koller. Die Kripo steht vor mehr als einem Rätsel. Judith Merchant, Germanistin und Dozentin für Literatur, hat als Erstling einen literarischen Krimi geschrieben, bei dem fast alle Spuren in die Irre führen. Raffiniert!
Prädikat: ***
Prädikat: ***
Montag, 2. April 2012
Fred Uhlman: Der wiedergefundene Freund (Diogenes)
Zwei 16jährige Jungen lernen am renom- mierten Karl-Alexander-Gymnasium in Stuttgart. Hans Schwarz ist der Sohn eines Arztes, Konradin von Hohenfels entstammt einem alten und reichen Adelsgeschlecht. Die beiden sind befreundet - doch plötzlich wird Hans aus seinem geregelten Leben gerissen. Denn diese Novelle berichtet von einer Schülerfreundschaft im Jahre 1933.
Die Eltern senden Hans zu Verwandten nach Amerika. Sie glauben zunächst noch, weiter in Deutschland leben zu können, und gehen in den Freitod, als sie ihren Irrtum erkennen. Der Gymnasiast wird Amerikaner; er schlägt nicht einmal mehr ein deutsches Buch auf. Auch seinen Freund glaubt er verloren.
Dieses kleine Büchlein ist große Literatur. Der Leser staunt darüber, wie Fred Uhlman die Schrecknisse jener Jahre in einer Miniatur fasst - und dabei auch die Schönheiten der verlorenen Heimat nicht ver- gisst, die "dunklen Forsten, duftend nach Pilzen und bernstein- farbenem Harz", Rhein, Neckar und Bodensee, und das geliebte Tübingen, die Hölderlinstadt.
Prädikat: *****
Die Eltern senden Hans zu Verwandten nach Amerika. Sie glauben zunächst noch, weiter in Deutschland leben zu können, und gehen in den Freitod, als sie ihren Irrtum erkennen. Der Gymnasiast wird Amerikaner; er schlägt nicht einmal mehr ein deutsches Buch auf. Auch seinen Freund glaubt er verloren.
Dieses kleine Büchlein ist große Literatur. Der Leser staunt darüber, wie Fred Uhlman die Schrecknisse jener Jahre in einer Miniatur fasst - und dabei auch die Schönheiten der verlorenen Heimat nicht ver- gisst, die "dunklen Forsten, duftend nach Pilzen und bernstein- farbenem Harz", Rhein, Neckar und Bodensee, und das geliebte Tübingen, die Hölderlinstadt.
Prädikat: *****
Susanne Schädlich: Westwärts, so weit es nur geht (Droemer)
Susanne Schädlich, die Tochter des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich, ist zwölf Jahre alt, als ihre Eltern aus der DDR in die BRD übersiedeln. Die verlorene Heimat ist ihr Trauma und ihr großes Thema - um sie wiederzufinden, flieht sie 1987 nach Los Angeles. Elf Jahre lebt sie dort, als Fremde unter Fremden. Denn in den USA sind fast alle Flüchtlinge, irgendwie.
Nun reist sie erneut nach L.A., für sieben Tage. Denn eine Freundin aus jener Zeit liegt im Sterben. Und während sie die Freundin in den Tod entgleiten sieht, erinnert sich die Autorin an ihr Ringen mit dem Gefühl der Fremdheit, an ihre Sehnsucht nach dem Zuhause, und an ihr Leben in Amerika. Ein Buch, das fasziniert und befremdet zugleich in seiner Leidenschaft.
Prädikat: **
Nun reist sie erneut nach L.A., für sieben Tage. Denn eine Freundin aus jener Zeit liegt im Sterben. Und während sie die Freundin in den Tod entgleiten sieht, erinnert sich die Autorin an ihr Ringen mit dem Gefühl der Fremdheit, an ihre Sehnsucht nach dem Zuhause, und an ihr Leben in Amerika. Ein Buch, das fasziniert und befremdet zugleich in seiner Leidenschaft.
Prädikat: **
Justyna Polanska: Nicht ganz sauber (Knaur)
Was geschehen ist, nachdem "Justyna Polanska" ihr erstes Buch veröffentlich hat, das berichtet das zweite Buch - und es ist durchaus damit zu rechnen, dass es erneut ein Bestseller wird.
Denn die Leute sind furchtbar neugierig, und wie es in fremden Haushalten zugeht, das scheint für viele außerordentlich spannend und interessant zu sein. Erneut erzählt also die polnische Putzfrau von den Erlebnissen mit ihren Kunden - zumindest denjenigen, die nicht ganz sauber sind. Humor hat "Justyna", es darf also geschmunzelt werden.
Prädikat: *
Denn die Leute sind furchtbar neugierig, und wie es in fremden Haushalten zugeht, das scheint für viele außerordentlich spannend und interessant zu sein. Erneut erzählt also die polnische Putzfrau von den Erlebnissen mit ihren Kunden - zumindest denjenigen, die nicht ganz sauber sind. Humor hat "Justyna", es darf also geschmunzelt werden.
Prädikat: *
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