Bereits zu Lebzeiten wurde Königin Luise von Preußen (1776 bis 1810) sehr verehrt. Goethe bezeichnete sie als "Lichtgestalt", Schlegel pries sie als "Königin der Herzen". Schinkel und Rauch errichteten ihr Denk- mäler. Und bis zum heutigen Tage werden Bücher über die junge Frau geschrieben, die als sechstes Kind des Prinzen Karl Ludwig von Mecklenburg-Strelitz und seiner Ehefrau Friederike Caroline von Hessen-Darmstadt zur Welt kam.
Sie steht für Natürlichkeit und Bürgerlich- keit, für ein neues Ideal in Sachen Ehe und Familie, für Liebe und Treue - und für eine behutsame Erneuerung der Institution Monar- chie. Historiker Daniel Schönpflug erkundet in seiner auch stilistisch sehr ansprechenden Biographie, inwiefern dieses Bild der Realität standhält. Er zeigt auf, wie sich mit den historischen Gegebenheiten auch die Inszenierung von Macht und Herrschaft veränderte. Das ist durchaus spannend zu lesen.
Prädikat: ****
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Freitag, 16. November 2012
Donnerstag, 30. August 2012
Barbara Beuys: Der Große Kurfürst (dtv)
Geschichte wird zu einer spannenden Angelegenheit, wenn man sie nicht als eine Aneinanderreihung von Daten und Fakten begreift, sondern als Wirkung von Ent- scheidungen, die Führungspersönlichkeiten getroffen oder aber gelegentlich auch vermieden haben. Wie sehr insbesondere auch zögerliches Verhalten mitunter den Lauf der Ereignisse beeinflusst, kann man in diesem Buch erkennen.
Barbara Beuys beschreibt darin den Lebens- weg eines Herrschers, der eigentlich keine Chance hatte - und sie trotzdem nutzte, um ein Reich zu formen: Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688), Kurfürst von Brandenburg, wurde von seinen Zeitgenossen nicht ohne Grund der Große Kurfürst ge- nannt. Denn als er 1640 die Regierung antrat, waren seine Länderei- en vom Krieg verwüstet, in weiten Teilen besetzt, und sämtliche Kassen waren leer. Seine Erben übernahmen ein Land, das in Europa zu einer Großmacht geworden war - mit einer weitgehend funktio- nierenden Verwaltung, einem schlagkräftigen Heer, religiöser Toleranz und deutlich mehr Bürgern sowie einer allmählich wieder aufblühenden Wirtschaft.
Beuys erläutert, wie der Große Kurfürst dieses Wunder vollbracht hat. In ihrem Buch schildert sie aber nicht nur die Biographie eines Herrschers; sie zeigt auch auf, wie Friedrich Wilhelm in das Netzwerk damaliger Machtstrukturen eingebunden war, und wie diese Abhängigkeiten sein Handeln beeinflussten. So entsteht vor dem Blick des Lesers auch ein Bild Europas, das sich in jenen Jahren rasant veränderte. Und obendrein ist dieses Werk auch sehr gut geschrieben. Unbedingt lesen!
Prädikat: *****
Barbara Beuys beschreibt darin den Lebens- weg eines Herrschers, der eigentlich keine Chance hatte - und sie trotzdem nutzte, um ein Reich zu formen: Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688), Kurfürst von Brandenburg, wurde von seinen Zeitgenossen nicht ohne Grund der Große Kurfürst ge- nannt. Denn als er 1640 die Regierung antrat, waren seine Länderei- en vom Krieg verwüstet, in weiten Teilen besetzt, und sämtliche Kassen waren leer. Seine Erben übernahmen ein Land, das in Europa zu einer Großmacht geworden war - mit einer weitgehend funktio- nierenden Verwaltung, einem schlagkräftigen Heer, religiöser Toleranz und deutlich mehr Bürgern sowie einer allmählich wieder aufblühenden Wirtschaft.
Beuys erläutert, wie der Große Kurfürst dieses Wunder vollbracht hat. In ihrem Buch schildert sie aber nicht nur die Biographie eines Herrschers; sie zeigt auch auf, wie Friedrich Wilhelm in das Netzwerk damaliger Machtstrukturen eingebunden war, und wie diese Abhängigkeiten sein Handeln beeinflussten. So entsteht vor dem Blick des Lesers auch ein Bild Europas, das sich in jenen Jahren rasant veränderte. Und obendrein ist dieses Werk auch sehr gut geschrieben. Unbedingt lesen!
Prädikat: *****
Mittwoch, 1. August 2012
Katja Behrens: Der kleine Mausche aus Dessau (dtv)
Moses Mendelssohn wandert von Dessau nach Berlin. Eine solche Reise wäre noch heute ein Abenteuer für einen Jungen, der gerade einmal 14 Jahre alt ist und kein Geld hat. Für einen Juden aber, der aus seiner kleinen Gemeinde zum ersten Mal einen Schritt in die weite Welt unternimmt, in der er sich überhaupt nicht auskennt, war sie 1743 lebensgefährlich. Wie diese Reise tatsächlich verlaufen ist, darüber gibt es keine Berichte. Katja Behrens erzählt in diesem Buch, was Mendelssohn erlebt haben könnte. Eine außergewöhnliche Lektion im Fach Geschichte, nicht nur für Kinder - und obendrein so gut erzählt, dass man die knapp 200 Seiten am liebsten ohne Unterbrechung durchlesen würde.
Prädikat: *****
Prädikat: *****
Freitag, 4. Mai 2012
Eve Haas: Das Geheimnis des Notizbuchs (Heyne)
Eve Haas erzählt die Geschichte ihrer Familie. Sie ist 16 Jahre alt, als ihr der Vater zum ersten Mal ein Notizbuch mit einer geheimnisvollen Widmung zeigt.
Mit ihren Eltern konnte sie sich 1934 aus Berlin nach London retten. Ihre Oma Anna aber starb in Theresienstadt, wohin sie 1942 verschleppt wurde. Wenn sie gewusst hätte, was Eve Haas in den Archiven herausgefunden hat - in diesem Buch berichtet sie über ihre Spurensuche - dann hätte sie nicht als Abkömmling eines jüdischen Schneiders gegolten, sondern als Tochter aus polnischen Adel, und als Enkeltochter des Prinzen August von Preußen.
Prädikat: ***
Mit ihren Eltern konnte sie sich 1934 aus Berlin nach London retten. Ihre Oma Anna aber starb in Theresienstadt, wohin sie 1942 verschleppt wurde. Wenn sie gewusst hätte, was Eve Haas in den Archiven herausgefunden hat - in diesem Buch berichtet sie über ihre Spurensuche - dann hätte sie nicht als Abkömmling eines jüdischen Schneiders gegolten, sondern als Tochter aus polnischen Adel, und als Enkeltochter des Prinzen August von Preußen.
Prädikat: ***
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