Aldo Ciccolini (1925 bis 2015) gehört zu den großen Pianisten des 20. Jahrhunderts. Im Alter von acht Jahren begann er am Konservatorium in seiner Heimatstadt Neapel mit dem Musikstudium. Sein Klavierlehrer war Paolo Denza, ein Schüler von Ferruccio Busoni; in Harmonielehre und Kontrapunkt unterrichtete ihn Achille Longo. In Frankreich lernte er dann weiter, bei Marguerite Long, Alfred Cortot, Yves Nat und Jacques Février erhielt er Unterstützung und Anregungen. Wenig später unterrichtete Ciccolini dann selbst am Pariser Conservatoire.
Inspiriert haben ihn zahlreiche Begegnungen mit Künstlerkollegen – nicht nur Musikern, sondern vor allem auch Schauspielern und Schriftstellern, die ihm die Augen geöffnet haben für jene Dimensionen der Musik, die eben nicht durch Kriterien wie Tondauer, Tonhöhe und Klangfarbe erfasst werden können. Im Dialog mit den Pianisten Pascal Le Corre, seinem früheren Studenten, erinnert er sich an die Stationen seines Lebens, und spricht über seine Arbeit am Klavier. Wir erfahren, wie er sich auf Konzerte vorbereitet, wie er mit Lampenfieber umgeht – und lernen dabei unglaublich viel über Musik. Ciccolini fasziniert mit seinen oftmals knappen Kommentaren; seine Gedanken über Musik und das Klavierspiel sind altersweise und tiefgründig. Sein Resümée am Ende eines langen und erfolgreichen Berufslebens: „Als auftretende Künstler sind wir nur Diener, deren Aufgabe es ist, dem Publikum Musik anzubieten. Wir führen unseren Beruf so gut aus, wie es geht, die Menschen hören uns zu und schenken uns für ein paar Jahre die Ehre der Anerkennung. Und dann werden wir verschwinden, und viele andere werden die Fackel ergreifen. So einfach ist das...“
Prädikat: *****
Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 17. Februar 2016
Sonntag, 11. Januar 2015
Perri Knize: Der verlorene Klang (dtv)
Nach langer Pause hat Perri Knize wieder angefangen, Klavier zu spielen. Zum Üben sucht sie nach einem Instrument – lange und gründlich, denn die Journalistin wünscht sich nicht nur exzellente Spielbarkeit, sondern vor allem auch einen guten Klang. Wer jemals ein Klavier gekauft hat, der weiß, wie schwierig eine solche Suche sein kann. Doch Knize findet „ihren“ Flügel. Es ist, sozusagen, Liebe auf den ersten Ton. Denn der volle, warme Klang, der Knize an die Stimme Marlene Dietrichs erinnert, erscheint ihr unvergleichlich. Doch als Marlene dann bei ihr zu Hause eintrifft, ist dieser magische Klang – verschwunden! Und kein Klavierstimmer ist in der Lage, ihn stabil wiederherzustellen. Dummerweise hat Knize, als Tochter eines Berufsmusikers, ein sehr gutes Gehör. Und sie setzt alles daran, den Zauber zurückzuge- winnen, den das Instrument ursprünglich hatte.
In diesem Buch beschreibt sie ihre Suche nach dem verlorenen Klang. Es ist, zugegebenerweise, ein Luxusproblem, mit dem sie leidenschaftlich ringt – und man fragt sich schon, ob es sich lohnt, endlos Zeit und natürlich auch sehr viel Geld dafür zu investieren. Doch dann liest man von Knizes faszinierenden Begegnungen mit all den Klavierspezialisten, und man stellt erstaunt fest, wie viele Wege es gibt, die aber allesamt nicht zum Ziel führen. Man ahnt bald, wieso ein Klavier klingt, wie es klingt. Doch man begreift auch, was für ein Mysterium der Klang an sich ist.
Der Leser folgt Knize sogar quer durch Europa: In Österreich beobachtet sie, wie die Fichten gefällt werden, aus denen schließlich der Resonanzboden eines Klaviers entstehen wird. Und in Braunschweig, bei Grotrian-Steinweg, verfolgt sie, wie die Instrumente gebaut werden. Für Marlene findet sich letztendlich eine Lösung. Eine spannende Reise, mit überaus verblüffenden Konsequenzen – und ein überraschend kluges Buch über Musik.
Prädikat: ****
In diesem Buch beschreibt sie ihre Suche nach dem verlorenen Klang. Es ist, zugegebenerweise, ein Luxusproblem, mit dem sie leidenschaftlich ringt – und man fragt sich schon, ob es sich lohnt, endlos Zeit und natürlich auch sehr viel Geld dafür zu investieren. Doch dann liest man von Knizes faszinierenden Begegnungen mit all den Klavierspezialisten, und man stellt erstaunt fest, wie viele Wege es gibt, die aber allesamt nicht zum Ziel führen. Man ahnt bald, wieso ein Klavier klingt, wie es klingt. Doch man begreift auch, was für ein Mysterium der Klang an sich ist.
Der Leser folgt Knize sogar quer durch Europa: In Österreich beobachtet sie, wie die Fichten gefällt werden, aus denen schließlich der Resonanzboden eines Klaviers entstehen wird. Und in Braunschweig, bei Grotrian-Steinweg, verfolgt sie, wie die Instrumente gebaut werden. Für Marlene findet sich letztendlich eine Lösung. Eine spannende Reise, mit überaus verblüffenden Konsequenzen – und ein überraschend kluges Buch über Musik.
Prädikat: ****
Mittwoch, 14. November 2012
Sarah Quigley: Der Dirigent (Aufbau)
Aus dem belagerten Leningrad werden die meisten Künstler evakuiert. So wird die gesamte Philharmonie aus der einge- schlossenen Stadt gebracht. Das Rundfunkorchester aber, das von Karl Eliasberg geleitet wird, bleibt. Und Dmitri Schostakowitsch, der berühmte Komponist, weigert sich, die Stadt zu verlassen. Er arbeitet an einem wichtigen Werk, wenn er nicht gerade Gräben ausheben muss oder zur Brandwache eingeteilt ist. Sarah Quigley erzählt von der Entstehung der Leningrader Sinfonie - und davon, wie sie von halb verhungerten und furchtbar frierenden Musikern, den wenigen Überlebenden eines grauenhaften Winters, für die verbliebenen Bewohner der Stadt und ihre Verteidiger uraufgeführt wird. Akzeptiert man grundsätzlich das Genre Romanbiographie, dann wird man dieses Buch sehr gelungen finden.
Prädikat: ****
Prädikat: ****
Abonnieren
Posts (Atom)


