Sonntag, 8. Januar 2017

Iny Lorentz: Der rote Himmel (Knaur)

Der vierte und letzte Teil der Auswanderer-Saga von Iny Lorentz gilt der Wahl im Jahre 1860 und ihren Folgen: Abraham Lincoln, zum Präsidenten gewählt, ist ein Gegner der Sklaverei. Doch in Texas schuften mittlerweile auf etlichen Plantagen Sklaven. Und so erklären die Südstaaten ihren Austritt aus der Union, und die Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika. Mit diesem Schritt aber waren viele nicht einverstanden, was zu einem Bürgerkrieg führte. 
Auch die Familie Walther Fitchners wird von diesen Auseinander- setzungen nicht verschont. Sohn Waldemar ist wie der Vater ein entschiedener Anhänger der Union, während sein älterer Bruder Joseph sich mehr als Texaner fühlt, auch wenn er persönlich die Sklaverei ablehnt. Einmal mehr versuchen alte Feinde, den bejahrten Fitchner um alles zu bringen, was ihm lieb und teuer ist, ja, sogar ans Leben wollen sie ihm. Die Autoren beschreiben in diesem Buch, wie es der Familie gelingt, sich in schwieriger Zeit erneut zu behaupten. Iny Lorentz – mittlerweile ist das beinahe eine Bestseller-Garantie. 

Prädikat: ***

Claudia & Nadja Beinert: Der Sünderchor (Knaur)

Mit diesem Buch beenden die Zwillings- schwestern Claudia und Nadja Beinert ihre Trilogie um Uta, eine der Stifterfiguren im Dom zu Naumburg. Über ihr Leben weiß man fast nichts: Uta von Ballenstedt, aus dem Geschlecht der Askanier, soll um das Jahr 1000 geboren sein. Sie war mit Markgraf Ekkehart II. von Meißen verhei- ratet, und starb vor 1046. Die Ehe blieb kinderlos. 
Zweihundert Jahre später soll der „Naum- burger Meister“, über den gar nichts bekannt ist, einen Anbau an den Naumburger Dom erschaffen. Der Meister, den die beiden Autorinnen Matizo von Mainz nennen, hat große Pläne; er will mit seinem Westchor alles übertreffen, was er im Laufe seiner Berufsjahre kennengelernt hat. Bei der Arbeit unter- stützt ihn Hortensia, die Tochter des Burgschreibers von Neumark. Sie hat ihre ganze Familie bei einem Überfall verloren, und wurde durch Heinrich III., den Markgrafen von Meißen, gerettet. Die Autorinnen machen diese fiktive Gestalt zu einer wichtigen Schachfigur im Spiel der Mächtigen. 
Die Geschichte liest sich deutlich besser als ihre Vorgänger; warten wir also ab, welchen Themen sich die Schwestern in Zukunft zuwenden. Denn dieser historische Roman dürfte ganz sicher nicht ihr letzter gewesen sein. 

Prädikat: *** 

Samstag, 7. Januar 2017

Jacqueline Park: Das Reich der Himmel (Droemer)

Danilo, der Sohn von Judah del Medigo, dem Leibarzt des Sultans, soll an der königlichen Prinzenschule unterrichtet werden. Das ist eine hohe Ehre, denn es ist der allererste Schritt auf dem Wege zu einer Karriere am osmanischen Hof. Und mit den Prinzen hat Danilo schon ange- freundet, denn er ist ebenso wie sie ein hervorragender Reiter. 
Allerdings spricht der Knabe, der in Italien am Hofe der Isabella d'Este aufgewachsen ist, weder Türkisch noch Arabisch oder Persisch. Und so erhält Prinzessin Saida, eine Tochter des Sultans, den Auftrag, dafür zu sorgen, dass er diese Sprachen schnellstens lernt. 
Jacqueline Park erzählt davon, wie aus der Beschäftigung mit Tau- sendundeiner Nacht und Orlando Furioso eine Beziehung entsteht, die weiter andauert, auch als Saida längst wieder im Harem verborgen ist, und Danilo seine Ausbildung an der Pagenschule des Sultans fortsetzt: Die jungen Leute verlieben sich, und finden immer wieder Gelegenheit, sich zu treffen. 
Doch dann gerät Danilo in tödliche Gefahr, und kann sich nur durch die Flucht retten. Sein Weg führt wieder nach Venedig; was er dort erlebt, das wird uns die Autorin ganz sicher in einem weiteren Roman berichten. Dieses Buch aber ist ausgesprochen interessant, weil Park, eingebettet in eine fiktive Geschichte, wertvolles Wissen über das osmanische Reich und seine Entwicklung vermittelt. 

Prädikat: ***

Wolf Serno: Der Medicus von Heidelberg (Knaur)

Erfolgsautor Wolf Serno verbindet in seinem Roman einmal mehr Medizinhistorie mit einem spannend erzählten Lebensweg: Als Junge assistiert Lukas seinem Vater bei einer Schnittentbindung. Im Jahre 1500 war eine solche Operation eigentlich undenkbar; kein Arzt hätte es gewagt, eine Schwangere bei lebendigem Leib aufzu- schneiden, um das Kind herauszuholen. Doch Jacob Nufer ist Schweinekastrator; den Kaiserschnitt sieht er als allerletzte Chance, seine Frau zu retten. Und das gelingt. Von diesem Tage an hat Lukas ein großes Ziel: Er will ein Medicus werden. Dieses Buch berichtet von seinem Werdegang, und eine spektakuläre Liebesgeschichte gibt’s als Zugabe. 

Prädikat: ***

Felix Leibrock: Eisesgrün (Knaur)

Felix Leibrock war einst Pfarrer und Stadtkulturdirektor in Weimar. Die Stadt, die er als Schauplatz dieses Kriminalromans gewählt hat, kennt er also gut, und sie spielt in seiner Geschichte eine überaus wichtige Rolle. 
In den Parks der Stadt entdecken zwei Gärtner seltsame Hügelgräber, die in den denkmalgeschützten Anlagen nun wirklich nichts zu suchen haben. Das erste enthält eine Holzkiste mit einer Puppe, das zweite den Kadaver eines Hundes. Das dritte schließlich bringt die beiden dazu, die Polizei zu rufen. 
In seinem zweitem Weimar-Krimi erzählt Leibrock die Geschichte einer Rache, ausgeführt mit geradezu alttestamentarischer Wucht und Konsequenz. Außerdem berichtet er von allerlei Intrigen und Winkelzügen, hinter den sorgsam getünchten Fassaden der Klassiker- stadt. Und er führt seine Leser zu einer Sekte, deren Guru alles andere als fromme Pläne hat. Damit hat dieser Krimi allerdings schwer zu tragen, und manchmal ist die Geschichte sogar überlastet. Beim nächsten Roman daher bitte weniger Moral, und mehr Tempo und Spannung.

Prädikat: **

Giles Blunt: Ewiges Eis (Knaur)

Einen Roboter wollten sie testen, in schwierigem Gelände und unter extremen Bedingungen, um nachzuweisen, dass er sich für den Einsatz in der Raumfahrt eignet. Vier junge Wissenschaftler witterten das ganz große Geld. Doch erst verlief bei ihren Tests in der Arktis nicht alles ganz nach Plan. Und dann war da auch noch dieser seltsame Typ am Horizont. Der Zeitdruck war groß, die Mission in Gefahr, und so ignorierten sie die Notsignale. 
Jahre später werden an abgelegenen Orten tote Frauen gefunden – erfroren unter merkwürdigen Umständen. Die kanadische Polizei tappt lange im Dunkeln, doch dann finden die Detectives Lise Delorme und John Cardinal Spuren, die auf eine Polar- expedition verweisen, die einst ein tragisches Ende genommen hat. Nebenbei gelingt es Delorme zudem, einen weiteren Mordfall aufzu- klären – nach einem gefährlichen Spiel mit einem Mann, der sich zu sicher gefühlt hat. 
Der kanadische Autor Giles Blunt führt seine Leser einmal mehr in eine Region, in der Eis und Schnee den Jahreskreis prägen. Ein spannender Krimi, routiniert erzählt – nur schade, dass das Finale nicht wirklich mehr überrascht. 

Prädikat: ***

Donnerstag, 5. Januar 2017

Doris Bezler: Das verschwundene Kind (Knaur)

Die Leiche einer jungen Frau wird in Offenbach gefunden. Die Ermittlungen ergeben, dass die Türkin mit einem Seidentuch erdrosselt wurde – und dass sie kurz zuvor ein Kind zur Welt gebracht haben muss. Doch alles, was die Kriminalpolizei von dem Neugeborenen jemals zu Gesicht bekommt, sind volle Windeln in einem Mülleimer. 
Die Spuren führen in die besten Kreise; und bald ahnen die Polizisten, dass es in der Privatklinik „Storchennest“ nicht primär um Kinderwunschbehandlung geht. Doris Bezler zeigt mit ihrem Kriminalroman, dass es doch so etwas wie das perfekte Verbrechen gibt. Denn so rasant, wie die Geschichte Fahrt aufnimmt, so konsequent scheitert letztendlich die Polizei. Es gibt offensichtlich Leute mit sehr viel Geld, die sich kaufen, wen und was sie wollen – und denen nichts nachzuweisen ist. 

Prädikat: ****