Den heiligen Gral wollen sie erjagen, die seltsamen Ordensritter um Leopold von Gordean. Vom Besitz dieser Reliquie verspricht sich der Großmeister die Anerkennung seines wilden Haufens – und jede Menge Macht, Güter und die höchsten Ämter. Weil Gordeanus vermutet, dass der Gral in einem einsamen Kloster, tief im Wald verborgen, versteckt ist, fallen die Männer über die dort lebenden Nonnen her.
Novizin Justina gelingt es, ihnen zu entkommen. Im Auftrag von Äbtissin Isabelle de Melancourt will sie sich zum Würzburger Fürstbischof durchschlagen, um Hilfe zu erbitten. Dabei hätten sie beinahe die Schergen des Großmeisters getötet – doch dann greifen Marie, die ehemalige Wanderhure, und ihr Mann Michel ein. Sie können auch die Schwestern befreien. Einige Hammerkreuzler allerdings sind entkommen. Routiniert schicken die Autoren ihre Helden auf eine rasante Wettreise. Schließlich sind es sogar drei Trupps, die den Spuren des Grals folgen. Die Geschichte wird gekonnt erzählt - und sie bleibt spannend bis zum überaus verblüffenden Ende.
Prädikat: ***
Freitag, 16. Januar 2015
Rita Falk: Sauerkrautkoma (dtv)
Sie sind urkomisch, die Provinzkrimis von Rita Falk. Ihr Held, Franz Eberhofer, kommt vom Lande – und so ist er auch unterwegs. Man staunt immer wieder, wie es ihm gelingt, kaum ein Fettnäpfchen auszulassen, und die Mörder trotzdem zu erwischen. Und weil er daheim, in Niederkaltenkirchen, so erfolgreich war, wurde er nun nach München versetzt.
Das Leben in der Hauptstadt aber behagt dem Eberhofer wenig. Ohne die langen Spaziergänge mit Ludwig, seinem Hund, ohne Einkehr in der Stammkneipe und ohne die Kochkünste seiner Oma ist das Leben nur halb so schön. Da wird Mord glatt zur Nebensache (auch wenn Eberhofer selbstverständlich die Täter findet, auch in München!) Alles geht schief, zum Schluss sogar die eigene Hochzeit. Wenn man darüber dennoch herzhaft lachen kann, dann liegt das an den Fabulier- und Formulierkünsten der Autorin. Köstlich!
Prädikat: ***
Das Leben in der Hauptstadt aber behagt dem Eberhofer wenig. Ohne die langen Spaziergänge mit Ludwig, seinem Hund, ohne Einkehr in der Stammkneipe und ohne die Kochkünste seiner Oma ist das Leben nur halb so schön. Da wird Mord glatt zur Nebensache (auch wenn Eberhofer selbstverständlich die Täter findet, auch in München!) Alles geht schief, zum Schluss sogar die eigene Hochzeit. Wenn man darüber dennoch herzhaft lachen kann, dann liegt das an den Fabulier- und Formulierkünsten der Autorin. Köstlich!
Prädikat: ***
Donnerstag, 15. Januar 2015
Walter Kempowski: Somnia (Knaus)
Er könne gar nicht begreifen, sagte Walter Kempowski einmal, dass es Schriftsteller gebe, die kein Tagebuch führen. Dieses Buch macht deutlich, welche Bedeutung die täglichen Notizen für den Autor hatten. Zum einen halfen sie Kempowski bei der Bewältigung des Alltags mit seinen kleinen und größeren Zwischenfällen und Katastrophen. Diese finden sich daher auch akribisch verzeichnet, und mit Hilfe der literarischen Form schon quasi gebannt. Er berichtet von seinen täglichen Verrichtungen, von seinen Reisen und über Gäste. Zum anderen geben die Tagebucheinträge einen faszinierenden Einblick in die Werkstatt des Schriftstellers, seine Empfindungen und seine Gedankenwelt. Oftmals notierte Kempowski seine Träume – was dem Band dann wohl auch seinen Titel gab. Die Aufzeichnungen aus dem Jahre 1991 brechen am 21. Dezember 1991 ab. An diesem Tage wurde Gorbatschow durch Jelzin abgelöst. Und Kempowski erlitt einen Schlaganfall. „Somnia“ ist das letzte Werk, das der Schriftsteller fertigstellen konnte.
Prädikat: ****
Prädikat: ****
Klüpfel/Kobr: Grimmbart (Droemer)
Kluftingers neuer Fall bringt den Kommissar an Grenzen. Denn die Frau eines Barons wurde ermordet, und mit ihrer Leiche wurde dann ein altes Familienporträt nachgestellt. Auch sonst findet Kluftinger das Schloss in Bad Grönenbach und seine Bewohner eher befremdlich. Warum beispielsweise verschwindet der Baron immer wieder im schlosseigenen Märchenwald? Wieso sind die Adligen eigentlich nur noch Gäste im ehemals eigenen Haus? Und welche Rolle spielt der Mann mit den seltsamen gelben Augen?
Auch privat steht Kluftinger vor interkulturellen Abgründen. Denn sein Sohn heiratet, und zur Feier reisen selbstverständlich die Eltern der Braut aus Japan an. Andere Länder – andere Sitten; da sind Missverständnisse nicht zu vermeiden. Der Leser kommt aus dem Schmunzeln kaum heraus, so wirkungsvoll inszenieren Volker Klüpfel und Michael Kobr die Begegnung von japanischen und deutschen Bräuchen. Ach ja, der Mörder wird natürlich auch noch gefunden. Aber so komisch war schon lang kein Krimi mehr.
Prädikat: ****
Auch privat steht Kluftinger vor interkulturellen Abgründen. Denn sein Sohn heiratet, und zur Feier reisen selbstverständlich die Eltern der Braut aus Japan an. Andere Länder – andere Sitten; da sind Missverständnisse nicht zu vermeiden. Der Leser kommt aus dem Schmunzeln kaum heraus, so wirkungsvoll inszenieren Volker Klüpfel und Michael Kobr die Begegnung von japanischen und deutschen Bräuchen. Ach ja, der Mörder wird natürlich auch noch gefunden. Aber so komisch war schon lang kein Krimi mehr.
Prädikat: ****
Mittwoch, 14. Januar 2015
Karen Rose: Todeskind (Knaur)
In diesem Thriller erzählt Karen Rose die Geschichte von Staatsanwältin Daphne Montgomery. Sie ist als Kind entführt worden, und erlebt nun ein Déjà-vu. Genau das soll sie auch, denn es gehört zum Racheplan eines jungen Mannes, der Montgomery beschuldigt, sie habe einst seine Mutter in den Tod getrieben. Und wäre da nicht Joseph Carter vom Violent Crimes Enforcement Team, der seine ganz persönlichen Gründe hat, auf die Juristin aufzupassen – wer weiß, wie dieser Krimi ausgegangen wäre. Karen Rose erweist sich einmal mehr als Meisterin des Storytelling. Wie sie Handlungsstränge anlegt, verfolgt und auserzählt, und dabei ganz nebenher das Personal für zukünftige Bücher einführt, das ist sehr beeindruckend.
Prädikat: ****
Prädikat: ****
Dienstag, 13. Januar 2015
Sven Koch: Dünentod (Knaur)
Ein offfenkundig Irrer hat an seinem Geburtstag erst seine Eltern umgebracht, und kapert dann eine voll besetzte Nordseefähre, um sie ins Nichts zu steuern. Sven Koch stellt mit diesem zweiten Fall das ostfriesische Ermittlerduo Tjark Wolf und Femke Folkmer vor eine Heraus- forderung. Denn die Zeit läuft. Und der Verrückte hat sich auf das Massaker allem Anschein nach sorgsam vorbereitet. Wer aber ist der Mann ohne Fingerabdrücke, und welche Rolle spielen die beiden örtlichen Motorradclubs hier? Ein spannender Krimi, mit einer kräftigen Portion Lokalkolorit.
Prädikat: ***
Prädikat: ***
Sonntag, 11. Januar 2015
Perri Knize: Der verlorene Klang (dtv)
Nach langer Pause hat Perri Knize wieder angefangen, Klavier zu spielen. Zum Üben sucht sie nach einem Instrument – lange und gründlich, denn die Journalistin wünscht sich nicht nur exzellente Spielbarkeit, sondern vor allem auch einen guten Klang. Wer jemals ein Klavier gekauft hat, der weiß, wie schwierig eine solche Suche sein kann. Doch Knize findet „ihren“ Flügel. Es ist, sozusagen, Liebe auf den ersten Ton. Denn der volle, warme Klang, der Knize an die Stimme Marlene Dietrichs erinnert, erscheint ihr unvergleichlich. Doch als Marlene dann bei ihr zu Hause eintrifft, ist dieser magische Klang – verschwunden! Und kein Klavierstimmer ist in der Lage, ihn stabil wiederherzustellen. Dummerweise hat Knize, als Tochter eines Berufsmusikers, ein sehr gutes Gehör. Und sie setzt alles daran, den Zauber zurückzuge- winnen, den das Instrument ursprünglich hatte.
In diesem Buch beschreibt sie ihre Suche nach dem verlorenen Klang. Es ist, zugegebenerweise, ein Luxusproblem, mit dem sie leidenschaftlich ringt – und man fragt sich schon, ob es sich lohnt, endlos Zeit und natürlich auch sehr viel Geld dafür zu investieren. Doch dann liest man von Knizes faszinierenden Begegnungen mit all den Klavierspezialisten, und man stellt erstaunt fest, wie viele Wege es gibt, die aber allesamt nicht zum Ziel führen. Man ahnt bald, wieso ein Klavier klingt, wie es klingt. Doch man begreift auch, was für ein Mysterium der Klang an sich ist.
Der Leser folgt Knize sogar quer durch Europa: In Österreich beobachtet sie, wie die Fichten gefällt werden, aus denen schließlich der Resonanzboden eines Klaviers entstehen wird. Und in Braunschweig, bei Grotrian-Steinweg, verfolgt sie, wie die Instrumente gebaut werden. Für Marlene findet sich letztendlich eine Lösung. Eine spannende Reise, mit überaus verblüffenden Konsequenzen – und ein überraschend kluges Buch über Musik.
Prädikat: ****
In diesem Buch beschreibt sie ihre Suche nach dem verlorenen Klang. Es ist, zugegebenerweise, ein Luxusproblem, mit dem sie leidenschaftlich ringt – und man fragt sich schon, ob es sich lohnt, endlos Zeit und natürlich auch sehr viel Geld dafür zu investieren. Doch dann liest man von Knizes faszinierenden Begegnungen mit all den Klavierspezialisten, und man stellt erstaunt fest, wie viele Wege es gibt, die aber allesamt nicht zum Ziel führen. Man ahnt bald, wieso ein Klavier klingt, wie es klingt. Doch man begreift auch, was für ein Mysterium der Klang an sich ist.
Der Leser folgt Knize sogar quer durch Europa: In Österreich beobachtet sie, wie die Fichten gefällt werden, aus denen schließlich der Resonanzboden eines Klaviers entstehen wird. Und in Braunschweig, bei Grotrian-Steinweg, verfolgt sie, wie die Instrumente gebaut werden. Für Marlene findet sich letztendlich eine Lösung. Eine spannende Reise, mit überaus verblüffenden Konsequenzen – und ein überraschend kluges Buch über Musik.
Prädikat: ****
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