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Samstag, 7. Juli 2012

Petra van Laak: 1 Frau 4 Kinder 0 Euro (fast) (Droemer)

Aus der Jugendstilvilla am See in eine ver- gammelte Mini-Wohnung, abgestürzt aus dem beschaulichen Dasein als Hausfrau und Mutter - Petra van Laak ist das passiert, als ihr Ehemann seine Firmen und damit auch seine Familie in die Pleite manövriert hat. Mit ihren Kindern, neun, sieben, fünf und drei Jahre alt, fand sie sich nach der Zwangsversteigerung ihres bisherigen Hauses ohne einen Pfennig auf der Straße wieder, ohne Auto, ohne Bücher und Möbel und all die anderen Annehmlichkeiten einer gutbürgerlichen Existenz. Ihr Neustart begann, so erzählt sie, mit vier Kindern, vier Koffern und vier Matratzen. Aber zumindest um eine Verbraucherinsolvenz scheint sie herumgekommen zu sein. Sie hat zudem tolle Kinder, die Veränderungen akzeptiert haben und phantastisch zueinander halten. 
Dass sie über ihre Erfahrungen mit den einstigen Nachbarinnen, Mitmüttern und Schwestern im Glauben einer katholischen Pfarrei heute berichten und teilweise auch herzhaft lästern kann, das freut den Leser. Dennoch kam auch Frau van Laak um Erlebnisse nicht herum, wie sie nicht ausbleiben, wenn einen Gläubiger bedrängen, wenn zwielichte Gestalten herbeischwirren, die darauf getrimmt sind, solche Notlagen auszunutzen, und wenn Vermieter und Arbeitgeber abwinken. 
Die Autorin hat schließlich aus der Not eine Tugend und sich selbst- ständig gemacht. Mit Erfolg. Sogar ein Studium an einer renommier- ten Business-School hat sie mittlerweile absolviert. "Wie ich es trotzdem geschafft habe", lautet der Untertitel dieses seltsamen Buches, und der Bericht liest sich sehr motivierend. Doch was tun, wenn jemand abrutscht, der sein Geld nicht im Luftreich der Geistes- wissenschaften verdienen kann? Was macht eine Köchin, eine Verkäuferin oder eine Sekretärin in einer ähnlichen Situation? Sie meldet sich arbeitssuchend, sie geht aufs Amt - und dabei wird es wohl für etliche Jahre bleiben.

Prädikat: **

Sonntag, 22. April 2012

Robert Louis Stevenson: Der Master von Ballantrae (dtv)

Zwei Brüder aus schottischem Adel kämpfen beim Aufstand der Jakobiten im Jahre 1745 auf unterschiedlichen Seiten. Während James Durie, der ältere Bruder und Erbe, der Master von Ballantrae genannt, sich den Rebellen anschließt, ficht Henry Durie, der jüngere Bruder, auf Seiten der Regierung. Als James für tot erklärt wird, übernimmt Henry die Leitung des Gutes, und heiratet die Verlobte seines Bruders, die das Vermögen mitbringt, mit dem sich der Familienbesitz erhalten lässt. 
Doch der Jüngere erhält für Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit wenig Anerkennung, wie uns sein Verwalter berichtet, den Robert Louis Stevenson zum Erzähler gewählt hat. James hingegen, offenbar ohne jeden Skrupel, bekommt, was er begehrt, als er sich lebendig zurückmeldet: Geld, Obdach, und die Liebe der Frau seines Bruders - was ihm dann sogar zu einem Erben verhilft, auch wenn der Autor das natürlich sehr dezent andeutet. Aber dieses Buch lebt davon, das wichtiges gerade nicht ausgesprochen wird. 
Bei einem Duell der beiden ungleichen Brüder wird James nieder- gestochen, doch als die Familie herbeieilt, um die Leiche zu bergen, ist sie verschwunden. Wie ein böser Geist verschwindet der Master und taucht wieder auf, um Unruhe und Zwietracht zu bringen - und Geld zu erpressen. Schließlich flieht Familie Durie nach Amerika. Doch der Master reist hinterher. Und es gelingt ihm, dafür zu sorgen, dass Henry letztendlich den Verstand verliert: Sein ganzes Denken und Trachten kreist ausschließlich um den verhassten Bruder. 
Stevenson nennt sein Buch "Eine Wintergeschichte", sehr zutreffend - denn es ist ein Bericht in Schwarz-weiß, erstarrt in Kälte; brillant erzählt. Der Deutsche Taschenbuch Verlag legt diesen erstklassigen Schauerroman in einer Neuübersetzung von Melanie Walz vor, sorgsam ediert und kommentiert. Unbedingt lesen! 


Prädikat: *****


Dienstag, 10. April 2012

Bram Stoker: Draculas Gast (Diogenes)

Schauergeschichten vom allerfeinsten! Gleich sechs Stück davon enthält dieses schmale Bändchen aus dem Diogenes Verlag - und der Name des Autors bürgt zugleich für ihre exzellente literarische Qualität. Denn Bram Stoker liefert dem Leser keinen billigen Grusel. Da mietet sich ein Student in einem abgelegenen Haus ein, weil er in Ruhe arbeiten will. Doch statt mathematischer Erkenntnisse findet er dort ein seltsames altes Gemälde, einen stabilen Strick - und ein makaberes Ende. In Rattenbegräbnis wagt sich ein junger Brite in die Müllberge von Paris. Und in Draculas Gast verirrt sich ein Reisender auf dem Rückweg nach München - und findet sich plötzlich bei Nacht und Nebel auf einem Friedhof wieder. In der Walpurgisnacht. Knapp kommt er davon, denn ein Suchtrupp spürt ihn auf und bringt ihn zurück ins Hotel. In Ohnmacht fällt der Engländer freilich, als ihm der Gastgeber das Telegramm zeigt, das zur Suche auffordert - Absender: Graf Dracula. Köstlich! Unbedingt lesen!! 


Prädikat: *****

Freitag, 6. April 2012

Susan Hill: Die Frau in Schwarz (Knaur)

Was für eine Geschichte! Ein junger Anwaltsgehilfe wird von seinem Chef in einen kleinen Ort geschickt, um dort eine Erbschaft zu ordnen. Doch schon bald bekommt Arthur Kipps ein mulmiges Gefühl. Denn auf dem Friedhof sieht er eine Frau und etwas seltsame Kinder, die kein anderer sieht. Die Anwohner, denen er davon berichtet, werden bleich - doch den Grund dafür sagen sie ihm nicht. Als er das Geheimnis herausgefunden hat, das auf dem Anwesen liegt wie ein Fluch, ist es zu spät. Das Buch zum aktuellen Film mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe - und ein Klassiker der englisches Schauerliteratur. 


Prädikat: ***