Anni und Alois Sigl leben auf einem Einödhof am Rande eines Dorfes im vorderen Bayeri- schen Wald, seit mehr als 50 Jahren. Und sie leben so wie ihre Vorfahren: Nur in der Küche wird geheizt. Bad und Toilette gibt es in dem Bauernhaus nicht. Der einzige Luxus - Zeitung, Telefon, Fernseher, Strom und Versicherungen - frisst die schmale Rente der beiden alten Leutchen bis auf 50 Euro auf. So ernähren sie sich von dem, was der Garten und die Stallungen hergeben. Selbst den Tabak für Alois baut Anni selbst an.
Journalistin Julia Seidl hat für das Bayerische Fernsehen drei Filme über dieses Paar gedreht, und sie hat das Paar dafür mehrfach auf dem Hof besucht. Auch die Fotos von Stefan Rosenboom vermitteln ein Bild davon, wie es sich unter solchen Umständen lebt. Bei aller Begeisterung für das ländliche Idyll, aber das ist nichts für Faule, zumal die Winter auf dem Hof lang sind - und schneereich. "Das einfache Leben macht viel Arbeit", bringt es Anni auf den Punkt: "Da fliegen einem nicht die gebratenen Tauben ins Maul."
Prädikat: ***
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Donnerstag, 13. Dezember 2012
Freitag, 30. März 2012
Dora Prinz & Sabine Eichhorst: Ein Tagwerk Leben (Knaur)
1936, gerade 16 Jahre alt, verdingt sich Dora Prinz zum ersten Mal als Magd. Sie ist die älteste Tochter; die Eltern haben wenig, und müssen noch drei Mäuler stopfen. Harte Arbeit ist Dora bereits gewohnt: "Ich hab daheim müssen mel- ken, mähen und misten. Ich kann Holz hacken, dreschen und Mehl machen. Ich kann kochen, buttern, nähen, stopfen, einwecken", berichtet sie dem Bauern. Und ein Kalb habe sie auch schon allein geholt.
Die Arbeit in Haus und Hof bleibt hart. In den 40er Jahren kommen die ersten Maschinen in die Dörfer - Balkenmäher, Melkmaschinen, Kartoffelroder, Traktoren. Der Lebensbericht von Dora Prinz fasziniert, nicht zuletzt weil er noch eine Ahnung davon vermittelt, wie gewirtschaftet wurde, bevor es Waschmaschinen, Kühlschränke, Elektroherde und Supermärkte gab. Und er fasziniert, weil die junge Frau - egal, wie sie von ihren Dienstherrn schikaniert worden ist - sehr stolz und selbstbewusst durchs Leben gegangen ist.
Ende der 50er Jahre suchte sich Dora Prinz dennoch eine andere Arbeit. Einen halben Tag frei hatten Knechte und Mägde, nach dem Füttern, Melken und Misten am Sonntag, für den Kirchgang und ein paar private Erledigungen. Abends, pünktlich zum Melken und Füttern, mussten sie zurück sein. Und die Urlaubstage konnten sie an ihren Fingern abzählen. Irgendwann hatte sie genug: "Man muss grad bleiben im Leben", sagt Dora Prinz. Dieses Buch ist der Beleg dafür, dass sie nicht einmal die Zeit beugen konnte. Wirklich sehr beeindruckend - und obendrein wundervoll geschrieben.
Prädikat: ****
Die Arbeit in Haus und Hof bleibt hart. In den 40er Jahren kommen die ersten Maschinen in die Dörfer - Balkenmäher, Melkmaschinen, Kartoffelroder, Traktoren. Der Lebensbericht von Dora Prinz fasziniert, nicht zuletzt weil er noch eine Ahnung davon vermittelt, wie gewirtschaftet wurde, bevor es Waschmaschinen, Kühlschränke, Elektroherde und Supermärkte gab. Und er fasziniert, weil die junge Frau - egal, wie sie von ihren Dienstherrn schikaniert worden ist - sehr stolz und selbstbewusst durchs Leben gegangen ist.
Ende der 50er Jahre suchte sich Dora Prinz dennoch eine andere Arbeit. Einen halben Tag frei hatten Knechte und Mägde, nach dem Füttern, Melken und Misten am Sonntag, für den Kirchgang und ein paar private Erledigungen. Abends, pünktlich zum Melken und Füttern, mussten sie zurück sein. Und die Urlaubstage konnten sie an ihren Fingern abzählen. Irgendwann hatte sie genug: "Man muss grad bleiben im Leben", sagt Dora Prinz. Dieses Buch ist der Beleg dafür, dass sie nicht einmal die Zeit beugen konnte. Wirklich sehr beeindruckend - und obendrein wundervoll geschrieben.
Prädikat: ****
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