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Sonntag, 20. Mai 2012

Herman Melville: Meistererzählungen (Diogenes)

Kaum zu glauben, aber dieser Autor ver- diente sein karges Brot erst als Matrose, später als Landwirt, und starb schließlich als Zollinspektor - von seinen Werken konnte Hermann Melville (1819 bis 1891) nicht leben; kaum jemand interessierte sich dafür. Von seinem berühmtesten Buch Moby-Dick wurden zu Lebzeiten Melvilles kaum 3000 Stück verkauft. 
Das änderte sich erst in den 20er Jahren, als Literaturwissenschaftler seine Werke wiederentdeckten. Im Diogenes Verlag ist eine Auswahl seiner besten Erzählungen erschienen. Sie lesen sich so lebendig, und so modern, dass man meint, sie können unmöglich vor mehr als hundert Jahren geschrieben sein. Banadonna wird von seinem Roboter erschlagen. Und die Geschichte von Bartleby, dem Schreiber, der seinen Satz "Ich möchte lieber nicht." wie ein Mantra wiederholt, könnte auch von Kafka stammen. Das ist faszinierend, das ist großartig, das muss man wirklich lesen. 


Prädikat: *****


Dienstag, 29. März 2011

Jack London: Meistererzählungen (Diogenes)

Dieses Buch berichtet von unerhörten Begebenheiten - von riesigen Perlen, die ihrem Finder letzten Endes doch ein Vermögen bringen, von der Suche nach Gold, von Männern, die ihr Leben wagen, um ihre Träume zu verwirklichen, von Männern, die ein Imperium schaffen und wieder untergehen sehen, und von Männern, die inmitten von Eis und Schnee ums Überleben ringen. Lakonisch erzählt Jack London vom Leben und vom Tod - er ist ein großartiger Erzähler, und wie er auf wenigen Seiten eine Welt erschafft und mitunter auch wieder zerstört, das ist einzigartig. 

Mittwoch, 16. Juni 2010

Francis Scott Fitzgerald: Gesammelte Erzählungen (Diogenes)

Er ist der Chronist der Verlorenen Generation. Francis Scott Key Fitzgerald, geboren 1896, hatte schon mit 24 Jahren sein Ziel erreicht: Sein erster Roman Diesseits vom Paradies machte ihn mit einem Schlag reich und berühmt. Mit seiner Frau Zelda bewegte er sich in der Welt der Stars und Sternchen, erst in Amerika, und dann später, in den 20er Jahren, in Europa. Dort versuchte er, das Leben der Bohème auszukosten. Seine Erzählungen aber machen deutlich, dass ein Übermaß an Champagner auch zu einem deftigen Kater führt.
Alkoholexzesse, ein Lebensstil, der in keinem Verhältnis zum tat- sächlichen Einkommen des Paares stand, und das zunehmende Desinteresse des Publikums machten Fitzgerald zu schaffen. Sein heute wahrscheinlich bekanntestes Werk Der große Gatsby verkaufte sich schlecht.
Dann kam die Wirtschaftskrise - und Fitzgeralds Leben in Glanz und Glamour war nicht einmal als Fassade mehr aufrechtzuerhalten. Zelda erlitt zwei schwere Nervenzusammenbrüche, und verbrachte darauf- hin den Rest ihres Lebens in diversen Heilanstalten.Der Schriftsteller sah sich in der Verantwortung, für ein ausreichendes Einkommen zu sorgen. Seinem letzten vollendeten Roman Zärtlich ist die Nacht war jedoch kein Erfolg beschieden. Ab 1937 hielt sich Fitzgerald in Hollywood als Drehbuchautor über Wasser; 1940 erlag er einem Herzinfarkt. 
In seinen Erzählungen spiegelt sich Fitzgeralds ganzes Leben - das mondäne Dasein in Europa, mit diversen Aufenthalten in der Schweiz, Paris und an der Cote Azur, ebenso wie das finale Betteln des früheren Stars um kleinste Aufgaben als Drehbuchschreiber in der Traumfabrik. Man liest über Champagnerpartys in diversen Villen ebenso wie über das elende Dasein jener Schriftstellerkollegen, die Geld schnorren müssen, um das Monatsende zu erreichen. 
So zeichnet Fitzgerald ein facettenreiches Bild vom Leben der intellektuellen Eliten zwischen den Weltkriegen. Und noch dort, wo er vom Leben in der Gosse berichtet, schreibt er stilistisch brillant.
Es ist eben doch ein ganz besonderes Vergnügen, ab und zu einen Klassiker zu lesen - und auch wenn sich die vier Bände flüssig weg- lesen, so stellt man doch sehr bald fest, dass dieser Autor mit- nichten leichte Kost liefert. 

Prädikat: *****

Donnerstag, 19. November 2009

D. H. Lawrence: Gesammelte Erzählungen und Kurzromane (Diogenes)


Dies ist ohne Zweifel ein Klassiker. "Sieht man doch auf den ersten Blick, schon an dem Aufwand, den der Verlag mit dem eleganten Schuber und dem Leineneinband treibt", mag der Ignorant jetzt seine Stirn runzeln.
Was also hebt die Erzählungen von David Herbert Lawrence aus der großen Masse des Gedruckten heraus? Warum sollte man diese dicken Bände lesen, trotz der kleinen Schrift, diese vielen bedruckten Seiten? Weil diese Texte einmalig sind. Denn ihr zentrales Thema ist die Freiheit. Es schimmert an jeder Ecke hervor - auch wenn Lawrence scheinbar banale Begegnungen beschreibt, oder das Ringen der Menschen um ihren Platz in dieser Welt.
Natürlich sind auch diesem Schriftsteller Texte mehr oder minder gelungen. Aber grundsätzlich ist Lawrences Prosa ein Lesevergnügen. Man muss allerdings sehr genau hinschauen, denn sie lebt in der Andeutung - und ist nicht nur darin very british.

Prädikat: *****

Mittwoch, 18. November 2009

Andrej Kurkow: Herbstfeuer (Diogenes)


Geschichten aus der Ukraine, mit ziemlich bösen Pointen. Skurrile Geschichten von Ehemännern, die gemeinsam mit den Bergen von Stockfisch, die sie hinterlassen haben, verbrannt werden. Von Schriftstellern, die im Ausland eine neue Leber bekommen haben -  illegal entnommen, wie sich herausstellt, was die Beschlagnahme des sozusagen lebendigen Beweises durch den Zoll bedeutet. Und von schwarzen Telefonzellen, in denen man mit Verstorbenen telefonieren kann. Kurkow erweist sich erneut als ein Meister der Groteske - doch sein Humor ist tief rabenschwarz...

Prädikat: *****