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Samstag, 1. Januar 2011

Das Neue Testament (Diogenes)

Der Nachdruck einer ganz besonderen Bibelausgabe aus dem Jahre 1858: Das Neue Testament, und zwar in gleich vier Sprachen, jeweils parallel zu lesen in den vier Spalten einer Doppelseite. Diese Ausgabe enthält nebeneinander die "Urfassung" in Koine, einer Variante des Altgriechischen , die um die Jahr- tausendwende eine der wichtigsten Verkehrssprachen im Mittelmeerraum war, ihre Übersetzung in die Sprache der Kirche, die lateinische Vulgata, die deutsche Übersetzung Martin Luthers, und die in gleicher Weise bedeutsame Version der King James Bible aus dem Jahr 1611, die das heutige Englisch mitgeprägt hat. 
Dieses Novum Testamentum Tetraglotton ist ein typographisches Wunderwerk und zugleich ein Stück Religions-, Kultur- und vor allem Sprachgeschichte. Es gehört daher nicht nur in die Handbibliothek von Theologen, sondern ist auch ein unentbehrliches Arbeitsmittel für Übersetzer sowie für Sprach- und Kulturwissenschaftler. Dieses Buch ist vor allem aber auch ein schönes Buch, das in der Qualität von Druck, Einband und Schuber einer aussterbenden Spezies angehört. Lob und Dank sei dem Diogenes Verlag, der dieses Kulturdenkmal zu erschwinglichem Preise wieder zugänglich macht.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Meir Shalev: Aller Anfang (Diogenes)

Im Anfang war bekanntlich das Wort. Doch auch sonst ist die Bibel voll von Anfängen. Der israelische Autor Meir Shalev, von Haus aus Psychologe, hat das Buch danach durchforstet - und eine Menge interessanter Fragen gefunden. 
Wer beispielsweise träumt den ersten Traum, von dem uns in der Bibel berichtet wird? Und wer stirbt als erster? Wer weint die ersten Tränen, wer vergibt den ersten Kuss? An welcher Stelle verwendet das Buch zum ersten Mal das Verb "lieben"? Überraschung garantiert. (Kleiner Hinweis vorweg? Genesis 22,2.) Und wo zeigt es erstmals eine Frau als Liebende? Katastrophe! denn der Ärmsten ergeht es schlecht. Die Antworten auf all diese Fragen verblüffen. 
Shalev erzählt über die Tiere in der Bibel. Er berichtet über Berufe - und ganz besonders ausführlich über den des Spions. Er forscht nach dem ersten König, dem ersten Propheten und dem ersten Gesetz. So erschließt er einen spannenden und spannungsvollen Zugang zum Buch der Bücher. Shalev erzählt die archaischen Geschichten aus der Distanz der Geschichte und der Analyse. Man schüttelt den Kopf über die brutale Welt ihrer Helden - und findet diese Kultur, auf der ja auch unsere aufbaut, meistens ziemlich unsympathisch.

Prädikat: ****